Coming-out

Andere Menschen sehen doch nicht, was in mir vorgeht. Wieso behalte ich es nicht schlicht und einfach für mich und meine stattdessen, mich unbedingt damit zeigen zu müssen? Warum ist es mir so wichtig, dass ich Bücher dazu schreibe und eine Internetpräsenz aufbaue?

Spirituelle, mystische Erfahrungen bewirken ein Aufgespanntsein zwischen zwei Welten. So ergeht es auch mir! Die ausschließliche Identifikation mit der alten Welt, das ist keine Phrase, existiert nicht mehr und die neue will erst verwirklicht werden, sie will sich äußern. Ein Leben ohne diese neue Ebene und Dimension ist vergangen, ergibt für mich keinen Sinn mehr. Das, was mir über diese unsere Welt mein ganzes Leben lang beigebracht wurde, ist aus meiner neuen Perspektive zweifelsohne falsch und hat seine Gültigkeit verloren.


Wer bin ich? Was bin ich? Seit meinem geistigen Erwachen berührt mich immer wieder die buddhistische Beschreibung vom Weg des Sotapanna, des In-den-Strom-Eingetretenen:

"Nach der großen Erleuchtung, dem Satori, befindet sich der Mensch auf den letzten Stufen seiner Seelenreise. Früher noch stand er in einem kleinen Rinnsal, sein menschliches Ich fest verankert in der irdischen Polarität. Er kannte die Erfahrung des Göttlichen nicht, wusste nicht von der Schönheit des wirklichen Seins.    
Nun, nach diesem größten Geschenk, welches einem Menschen auf Erden zuteilwerden kann, ist aus dem plätschernden Bächlein ein reißender Fluss geworden. Ist sein menschliches Ich, sein Ego, zu diesem Zeitpunkt schon so geläutert, dass er sich in diesem Strom allein vom Göttlichen führen lassen kann, so wird er ungehindert dem großen Ziele zufließen. Solange sich jedoch noch Anteile in seinem Inneren befinden, die er aufarbeiten und klären muss, wird er beständig an Steine und Felsen, welche sich im Wasser befinden, gestoßen. Mit der Erfahrung des Satori in seinem Inneren als treibende Kraft, bereiten ihm diese Hindernisse immer wieder einen starken inneren, sehnsuchtsvollen Schmerz, den er vorher in dieser Intensität nicht kannte. Der Sotapanna begibt sich jetzt unweigerlich und mit größter Hingabe auf den Weg der inneren Erkenntnis. Er wendet Schritt für Schritt jeden großen und jeden noch so kleinen Stein in seinen verborgenen Tiefen, um diese dunklen Anteile durch das Licht der Erkenntnis auflösen zu lassen, um frei und ungehindert im Strom das endgültige Ziel zu erreichen." 

Der Sotapanna glaubt nicht mehr, er weiß! Er wird und kann niemals mehr umkehren, denn er hat das Ende des Weges in sich erfahren.
Dennoch bin ich alles andere als ein Heiliger! Ich stoße mich ständig, habe wirklich reichlich blaue Flecken und hoffe, Sie sehen mich im Geiste schmunzeln.

Das einige Jahre spätere Hervortreten meiner medialen Veranlagung habe ich ebenfalls niemals gewollt oder bewusst angestrebt. Es ist ungefragt geschehen! Der "kleine Schalk in meinem Nacken" flüstert mir allerdings beständig ins Ohr, dass ich mir da als Sotapanna an einem Felsen im Strom wohl insbesondere meinen Kopf gestoßen haben muss! Nein, bleiben wir ernst. Ich wurde einfach hineingeworfen, hinein in ein weiteres großes Abenteuer. Aber doch, eines hatte ich sehr wohl ganz bewusst getan: Ich hatte meine göttliche Führung gebeten, mich zu leiten und mir noch eine Aufgabe zu zeigen, mit der ich im spirituellen Bereich auf Erden wirken konnte.

Das habe ich nun davon! Gott erhörte meine Bitte. Er führte mich und zeigte mir diese Gabe. Ich habe sie nicht erlernt, sie wurde mir schlag - artig auferlegt. Schritt für Schritt musste ich lernen, damit zu leben. Sie ist ein wundervolles, oft beglückendes Geschenk, aber auch eine Last zugleich. Oft bin ich mit all den Eindrücken und Erkenntnissen allein und fühle mich damit sehr einsam. Ich habe seitdem nicht nur die Eindrücke dieses Lebens, sondern auch noch die eines jenseitigen zu verarbeiten. Die geistige Welt ist voller Leben auf unterschiedlichsten Ebenen, welche Beglückendes, aber auch Beängstigendes wahrnehmen lassen.         
"Gott setzte mich dabei auf sein schnellstes Pferd und sagte: "Lerne reiten"! "  Ich habe mir überlegt, ob ich ihn beim nächsten Mal vielleicht lieber fragen sollte, ob es nicht auch mit einem Pony oder Maulesel ginge.

Und was ist schon ein Medium ohne Menschen, welche das Wissen höherer Welten interessiert? Menschen, welche von der Schönheit und Großartigkeit höherer Dimensionen, welche uns als winzige Staubkörnchen in das Universum einbetten, hören möchten. Dann die Scheu und Sorge, verlacht oder abgelehnt zu werden. Die voreilige und auf Unwissenheit beruhende Verwechslung echter Medialität mit psychotischen, schizophrenen Tendenzen seitens weiter Kreise unserer Gesellschaft. Was werden Familie, Freunde, Kollegen und andere Menschen im Umfeld nur sagen? Es ist schön zu wissen, dass mich heute niemand mehr auf den Scheiterhaufen zerren wird.
Mit all dem haben sich Medien seit Menschengedenken auseinanderzusetzen! 


Mein diesseitiges Dasein ist dagegen ein ganz normal weltliches und arbeitsames, absolut tatkräftiges und äußerlich kaum als geistiges Leben wahrzunehmen. Mein Leben lang bin ich als Heilpraktiker tätig und höre mit ganzem Herzen die Nöte, Sorgen und Beschwerden meiner Patienten und bemühe mich nach bestem Wissen, Ihnen zu helfen. Ich gebe viel, viel Kraft und erhalte viel zurück, durch ihr Vertrauen und ihre Dankbarkeit.


Allerdings ist das, was diese wundervollen, kraftvollen und beglückenden Erfahrungen offenbaren, so derart anders als diesseitige Ebenen, dass ich kaum noch leben kann, ohne zu versuchen, diese Bereiche im Innen und Außen zu verbinden. Es käme einer Art von Selbstverleugnung gleich, die mich krank werden ließe, würde ich diesem Ruf nicht folgen. 

Ich versuche hier nicht, einen wie auch immer gearteten religiösen oder spirituellen Dogmatismus mit missionarischen Tendenzen zu rechtfertigen. Ganz im Gegenteil bedaure ich solche Fehlentwicklungen echter Geistigkeit.

Ich suche diese Synthese zwischen Himmel und Erde als sehr unvollkommenes menschliches Wesen immer wieder aufs Neue und wünsche mir, mich damit zeigen zu können. Sagen zu können, was ich gesehen habe und in Wirklichkeit bin, was ich weiß und beständig neu entdecke. 

Niemand muss mir zuhören, der nicht will und niemand soll mir einfach nur glauben. Was ich mir jedoch zutiefst wünsche, für mich und für alle die, denen es ähnlich geht, ist nicht als esoterischer Sonderling, als Träumer oder Fantast bezeichnet, sondern ernst genommen zu werden. Ein naiver Wunsch, ich weiß, aber ein sehr lebendiger!

Wir befinden uns in einer Zeit, in der ähnliche wie die von mir beschriebenen sogenannten transpersonalen Erfahrungen stark zunehmen. Ich möchte auf meine Weise dazu beitragen, dass diese in Zukunft in stärkerem Maße, wie viele andere menschliche Bemühungen auch, als ein wertvoller Beitrag für eine bessere neue Welt wahrgenommen und nicht mehr so vehement abgewertet werden.

Die Menschheit braucht eine echte und lebendige Spiritualität und Geistigkeit, sonst wird sie untergehen.
Unsere gewohnten politischen, religiösen, philosophischen und sozialen Bemühungen werden nicht reichen, um uns vor dem Untergang zu bewahren.

Mögen also die Menschen zu mir finden, denen meine Worte, meine Angebote und meine Art und Weise auf ihrem Weg etwas geben können.
 

Ich möchte Sie, und auch das ist keine Phrase, in Ihrem Herzen erreichen und ich würde mich sehr freuen, wenn es gelingt.


Ihr Matthias Hohenwege